J'attends quelqu'un: Warten und Helfe

Ein moralisches Beziehungsgeflecht von Jérome Bonnell

Am Ende schleift der große zottelige Hund seine Leine über eine Landstraße. Will er zurück zu dem Paar, das sich seiner angenommen hat, sucht er seine Herrin, die ihn verlassen hat, um der Polizei zu entfliehen, oder genießt er nur einfach seine Freiheit?

Das ist nur eine von vielen ins Ungewisse führenden Geschichten im Beziehungsgeflecht des Filmes, das auch offen lässt, wer hier auf wen wartet. Vermutlich sieht der Regisseur dieses Warten eher als Conditio Humana, eine Grundbedingung des Seins, die von den Hunde offenbar gemildert wird.

Dieses Dasein gestaltet sich bei Bonnell so geheimnisvoll wie die Dame, die mit ihren drei Hündchen als Running Gag durch den Film geistert, bis sie am Ende im Café eines der Hauptprotagonisten landet. War sie es, auf die Louis (Jean-Pierre Darrousin) gewartet hat, der eben sein Liebe verloren hat?

Es war eine fürsorgliche, wenn auch geheime Liebe zu der ortsansässigen Prostituierten Sabine (Florence Loiret-Caille), für die sein Geld kaum reichte. Sie zieht weg, weil sie von einem namenlosen Freier schwanger ist und das Kind bekommen möchte. Ohne Widerspruch lässt Louis seine große Liebe ziehen. Er weiß, in der Kleinstadt, wo alle sie schief ansehen, hätte Sabine nicht leben können. 

Diese Art liebevoll miteinander umzugehen, gehört zu den zentralen Themen des Films – gerade weil auch in einer Kleinstadt keine reine Idylle mehr möglich ist. Arbeitslosigkeit ist allgegenwärtig, aber auch überarbeitete Ehemänner, die ihre Frauen vernachlässigen. Louis' Café ist verschuldet, seine Schwester Agnès (Emmanuelle Dery) muss ihrer von Routine bedrohten Ehe neues Leben einhauchen, Sabine fürchtet zu Recht gewalttätige Freier und so weiter …

Das Schöne: Irgendwie stehen alle Protagonisten zu ihrer vielfältigen Verantwortung, übernehmen sie nicht immer gern, aber doch ohne zu lamentieren. Sie reichen Job-Adressen weiter, besuchen die demente Mutter im Altenheim, sorgen für das uneheliche Kind, als Eheleute füreinander oder für den zotteligen Hund, der ihnen unerwartet ins Leben trottet.

Nur der zu junge Jean-Philippe (Eric Caravaca), ist vor seinen Verpflichtungen  davongelaufen. Zu Beginn des Filmes aber kommt er zurück, um am Schluss zu lernen, dass er am besten hilft, wenn fern bleibt.

 

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