Winterreise

Das Ende des Todes in Kenia

Kenianische Wolken,
Ein Regenbogen
Öffnen das Inn-umschlossene
Wasserburg.

Abgründige Lieder führen
In der Ferne mehr
Als hier Geschäfte und Familie
Ins Nichts.

Sie entstammen der
Verlorenen Zukunft

Und so lernt der Held:
Was wir den Tod nennen,
Ist das Ende des Todes.


Das Filmfest München eröffnete 2006 mit "Winterreise", einem Film von Hans Steinbichler (Hierankl), der Ende November ins Kino kommt.

Mit unerträglichem Gepolter erschüttert Sepp Bierbichler als Eisenwarenhändler Franz Brenninger, das winterliche Kleinstädtchen Wasserburg, die „Geliebte des Inn“. Dort ist man scheinbar gewöhnt, dass der derbe Geschäftsmann und Gründer des Tennis-Clubs sich gerne daneben benimmt und jedermann als Arschloch bezeichnet. In schmerzhafter Lautstärke überbrüllt Brenninger die Gewissheit, dass ihm längst alle Felle davon schwimmen. Aus verletzter Eitelkeit quält er seine erwachsenen Kinder, die ihm - der Mutter zuliebe - raten sein marodes Geschäft zu verkaufen.

Freundliche Worte findet Brenninger in Wasserburg nur noch für seine Stamm-Prostituierte, seine kranke Frau Martha (Hannah Schygulla) und eine türkische Abiturientin, Sibel Kekilli als Leyla, die ihm bei englischsprachigen Geschäftspartnern übersetzt. Zu ihr fasst er Vertrauen, lässt sich aber gegen ihren Rat auf ein dubioses Geschäft mit Kenianern ein, weil er Geld für die Operation seiner Frau auftreiben will.

Er wird betrogen, steht vor dem Nichts und entschließt sich mit Leyla nach Kenia zu fliegen, um sich sein Geld zurückzuholen. Die junge Frau willigt ein - auch weil Martha sie gebeten hat, auf ihren Mann aufzupassen. Es ist nicht wirklich Aufbruch, vielmehr folgt er einer Zeile aus Franz Schuberts Liederzyklus Winterreise: „Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück.“

Im Kenia stößt sein Gepolter ins Leere, so dass er seine Umgebung wahrnehmen kann. Er sieht Armut und empfindet die eigene Traurigkeit, ohne dagegen aufzubegehren, spielt und singt schließlich in der Hotelbar eines der depressiven Schubertlieder. Der einstige Musikstudent ist Eisenwarenhändler geworden, weil es „einfach net g'reicht hod“. Trotzdem beeindruckt er Leyla und einen Hotelgast mit seiner Schubert-Interpration so sehr, dass sie ihm helfen seine Straße zu gehen.



Filmfest München 2011

Das wichtigste Thema:

Kinder sind die Helden. In unserer Welt müssen sie es sein.

In früheren Jahren:

2010: Jenseits von Bollywood
2009: TV-Vorschau und Kunst
2008: Anspielen gegen Fussball
2007: The Band's Visit
2007: J'attends quelqu'un
2007: Holunderblüte
2006: Winterreise
2004: Das Mädchen mit dem Perlenohrring


Journey to Justice

Doku von Steve Palackdharry

Vertrieben aus der
Vaterstadt an der Isar
Gemordet Vater, Mutter, den Greis
Und der Kinder Jugend.

Der Rückkehrer fand,
Die Waffe in der Hand,
Vergeltung,
Fand zerstörte Städte und
Gerichtete Mörder.
Verzeihen war nicht nötig

Leichten Schritts fand er
Alte Wege wieder,
Neue Freunde und
Wohlige Vertrautheit

Nur
Der Sohn bleibt unversöhnt.
Demonstriert mit
Kippa und Kamera
Altes Testament,
Beharrt streng auf Fremdheit
für Alle bis ins zwölfte Glied.

"Nicht eine Sekunde,
Darf sich einer hier je
Zuhause fühlen,
wie mein Vater"

Howard Triest ist 1939 vor den Nazis aus München geflohen und hat – als GI zurückgekommen – den Nürnberger Prozess aus unmittelbarer Nähe miterlebt. Nun kommt er im neuen Jahrtausend mit seinem Sohn zurück und sucht Kindheitserinnerungen auf.