Er war nicht immer ein "Franz im Glück"

Gespräch über Franz von Stuck

Mit Jo-Anne Birnie Danzker, der scheidenden Direktorin der Villa Stuck unterhielt sich Peter Bechmann anno 2002 anlässlich der Ausstellung „Franz von Stuck – die Kunst der Verführung“. (siehe auch "Studien einer großen Inszenierung")

Welchem Aspekt des Malerfürsten widmet sich die Ausstellung?
Birnie Danzker: Es geht dabei um moderne Kommunikation. Darum, wie Franz von Stuck auf eine sehr moderne Art und Weise nicht nur sich selbst, sondern seine eigenen Werke und Themen als Markenzeichen, beinahe wie ein Logo verwendet hat. Man findet die selben Themen in Skulpturen, in seinen Gemälden, auf Plakatentwürfen und manchmal in seinem Haus.

Wie sehen solche Markenzeichen aus?
Birnie Danzker: Wenn man genau hinschaut, erkennt man die Wiederholung nicht nur bei großen Themen wie bei der Amazone oder Pallas Athene, sondern auch in seinem Design: Man sieht zum Beispiel in einem Gemälde ein Interieur, das seiner Villa ähnlich ist. Wenn man die Zeit hat, kann man sehr viel entdecken.

Und inwiefern spielte die Villa Stuck selbst eine Rolle?
Birnie Danzker: Auch die Villa ist Teil seiner vielschichtigen Kommunikations- und Marketingstrategie, also von wiedererkennbaren Motiven, Objekten oder Formen. Wir zeigen Fotografien und zeitgenössiche Berichte über die Villa, die dies verdeutlichen. Stuck schuf die Villa als ein Gesamtkunstwerk, so wie er sein eigenes Leben auch als Kunstwerk gestaltete.

Wie ist das Ausstellungsprojekt entstanden?
Birnie Danzker: Es entstand ursprünglich aus der Idee, seine zum größten Teil unbekannten Zeichnungen zu zeigen, um den Entstehungsprozess der Gemälde zu verdeutlichen. So kann man bei den Skizzen für die Gemälde sehen, dass die Form oft nur minimal geschildert wird, aber die architektonische Bildsprache und Rahmung genau definiert werden.

Sind in der Ausstellung ausschließlich Werke ihrer Sammlung zu sehen?
Birnie Danzker: Unsere eigene Sammlung wird gemeinsam mit vielen Werken aus dem Nachlass Franz von Stucks sowie zusätzlichen Leihgaben ausgestellt. Die meisten dieser Zeichnungen und Skizzen wurden noch nie ausgestellt. Wir zeigen nicht nur unsere Stuck-Sammlung sondern auch Exponate unserer Jugendstil-Bibliothek, darunter kaum bekannte Bücher, die Stuck gestaltete. Diese Ausstellung wurde in ihrer Bandbreite also speziell für unser Haus konzipiert.

Was denken Sie – war Franz von Stuck ein »Franz im Glück«?
Birnie Danzker: Ein »Franz im Glück« war er nicht für sehr lange. Wie es auch heute der Fall ist, bedeutet ein sehr früher, großer Erfolg, dass man relativ schnell auch in die Kritik gerät. Man steht unter enormem Druck, diesen Erfolg ständig zu wiederholen.

Und denken Sie, dass wir heute einen anderen Blick auf Franz von Stuck haben können?
Birnie Danzker: Diese Ausstellung wird genau das versuchen. Der Blick auf Franz von Stuck wird heute sehr oft von seinen Gemälden beeinflusst und von einem sehr begrenzten Blick auf ihn: Man sieht ihn als einen Künstler, der immer wieder schöne Frauen malte und das war’s. Man vergisst, dass viele der Strategien, die er schon 1890 einsetzte, äußerst modern waren.

Wann wird die Renovierung der Villa abgeschlossen sein?
Birnie Danzker: Die Übergabe des ersten Bauabschnittes der Villa wird im Oktober 2003 stattfinden. Die Fertigstellung ist für Ende 2004, beziehungsweise Anfang 2005 geplant. Es gibt wie bei vielen im Krieg beschädigten Gebäuden in München technische Probleme mit der Statik des Hauses: zum einen den Umstand, dass die Gebäude aus dem späten Neunzehnten Jahrhundert nicht immer perfekt gebaut wurden. Zum anderen ging es natürlich darum, dass die Villa als Haus und nicht als Museum konzipiert worden war. Die Architekten müssen die technische Ausrüstung und Statik ändern, ohne dass das ganze Gebäude sich nur um einen Zentimeter bewegt. Sonst wären zum Beispiel Schäden bei Stucks Wandmalerei oder seinen Mosaiken entstanden.

Es wird also eine Öffnung in Etappen sein?
Birnie Danzker: Wir werden zunächst einen Teil des Hauses öffnen, nämlich das Jugendstilmuseum und die Jugendstilbibliothek. Erst danach können wir mit der Restaurierung der historischen Wohnräume anfangen. Das ist zwar mühsam, aber wir kommen unserem Ziel immer näher.

 Zum Schluss noch eine Frage zum Geld. Man hat so viel über die Haushaltssperre der Stadt München gelesen. Wie sind sie als städtisches Museum davon betroffen?
Birnie Danzker: München war in der glücklichen Lage als eine der letzten Städte bundesweit mit solchen Kürzungen konfrontiert zu werden. Wir haben eine äußerst großzügige Unterstützung gehabt. Die Frage ist nun, wie wir alle unsere hohen Erwartungen in Bezug auf das kulturelle Angebot in München der finanziellen Realität anpassen können. Die Situation ist ernst, nicht nur im Kulturbereich sondern in jedem Bereich der städtischen Finanzierung.